Update
Mai 2017

BARF - Das Wunderhundefutter?

Gibt es das überhaupt? Das Hundefutter schlechthin? Bedarfsgerecht und für alles verträglich?

Wir waren auf einem Vortrag von Frau Dr.med.vet. Petra Kölle der Ludwig Maximilian Universität München mit dem Thema : BARFEN PRO und CONTRA
Für uns war das so zusammenfassend dargestellt, dass wir hier auf der Hp die wichtigsten Punkte zusammenfassen möchten und manches auch noch ergänzen werden.
Wie schon bei der Futterseite ist es uns nicht wichtig welche Fütterung vom jeweiligen Halter gewählt wird, wenn aber muss sie am Bedarf des Hundes orientiert sein.
Um schon eines vorweg zu nehmen, ein Wunderhundefutter ist auch BARF nicht. Alles hat seine Vor und Nachteile.

Entstanden ist BARF als Alternative zu kommerziellem Futter nach allen Futter und Lebensmittelskandalen und weil oft die Transparenz des kommerziell deklarierten Hundefutters sehr zu wünschen übrig lässt. Und viele Hundefuttersorten einfach schlichtweg schlecht zusammengestellt und aus Schlacht und sonstigen Abfällen bestehen.

BARF ist Trend. Schaut man sich bei einer Suchmaschine um und gibt BARF ein bekommt man eine unheimliche Anzahl an Treffern und jeder lobt diese Futterart in den Himmel. Es wird als natürliches Futter beworben. Aber gibt es das überhaupt? Klar ist es orientiert sich an den Fressgewohnheiten des freilebenden Wolfes. Der Wolf frisst im Normalfall das ganze Beutetier und pflanzliche Nahrung wie Gras, Kräuter, Beeren. Inzwischen werden Zutaten für das BARF im ganz großen Stil kommerziell vertrieben. Auch sogenanntes Fertigbarf kann man erwerben, meist tiefgefroren. (Kühlkette nicht unterbrechen!)

Was ist BARF?
Das ist einfach eine Fütterungsmethode zur Ernährung karnivorer Haustiere.
= Bone and Raw Feeding/Food
= Biologically Approbriate Raw Foods
=Biologisch artgerechte RohFütterung
Ein ursprünglich in der USA geprägter Begriff von Debble Tripp: Born Again Raw Feeders
englisch: barf =Erbrechen.

BARF gibt es vom Grundsatz her in drei Möglichkeiten
a) Klassisches BARF, nach Billinghurst, Lonsdale, Simon, Schulze, Volhard,....
b) BARF Komponentenfütterung , abgespeckte BARF Methode mit Frischfleisch und Flocken.
   (Fütterung mit Tiefkühlfleisch und industriell hergestellter Getreidefolcken, die parktisch technisch vorverdaut sind. Evtl. werden Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitamine zugegeben.)
c) Ganzkörperfütterung



Wo liegen die Vorteile von BARF?
Der Halter hat genaue Einsicht in alles was gefüttert wird. ( nicht bei gewolftem oder industriell hergestelltem BARF)
Kaubedürfnisse von Hunden werden stärker befriedigt. (nicht bei gewolftem Futter)
längere Futteraufnahmezeit und damit mehr Beschäftigung. (nicht bei gewolftem Futter)
Zahnpflege( nur bei Knochengabe oder Gabe größerer Stücke, also mit ? zu versehen)
frische Ware, daher der Nährstoffgehalt sehr hoch
jede Ration kann durch Berechnung bei einigen Krankheiten bedarfsgerecht zusammengestellt werden.


Wie sieht eine typische BARFration aus?
2% des zu fütternden Tieres sind die Richtschnur für die Tagesfütterung.
Dies wird dann aufgeteilt in 10-30% rohe fleischige Knochen, 10-25% Gemüse und der Rest rohes Fleisch.
Genauer heißt das dann
-rohes Fleisch:
Muskelfleisch (Kronfleisch, Schlundfleisch, Kopffleisch,...)
Innereien (Pansen, Blättermagen, Lunge, Leber, Herz, Milz, Luftröhre,...)
evtl. Fisch und Ei
Knochen
sonstiges:
rohes Gemüse dass evtl. püriert wird
robes Obst
Pflanzenöl/Fischöl
Zusätze wie Vitamin-Mineralmischungen, Algen(pulver), Hefe, Kräuter, Heilerde,......


Schauen wir uns die Zusätze mal etwas näher an

Algen:
Beworben werden sie wegen ihres Gehaltes an Chlorophyll, Protein, Biovitamine, Vitalstoffe(?), Jod und Kalzium.
Da Algen ein Naturprodukt ist z.B. der Jodgehalt sehr stark schwankend. Süßwasseralgen haben keinen Jodgehalt.
Der Jodbedarf ist bei Hunden aber sehr gering. Z.B. bei einem 15 kg Hund sind es 0,033Gramm Algenpulver. Daraus ergibt sich schnell eine Überdosierung und dadurch im Hund einen Jodüberschuss. Überschuss führt aber zur Schädigung von Leber, Niere, Gehirn und ist möglicherweise krebserregend.
(Stiftung Warentest 2/2011

Fischöl:
Hat einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren.  Bei Allergie kann man auch ersatzweise Pflanzenöl nehmen. In höheren Dosierungen kann es entzündungshemmend sein.

Heilerde:
Empfohlen bei Durchfall, säurebedingten Magenbeschwerden und zur Unterstützung bei Darmsanierung.
Gefahr liegt aber darin, dass es die Wirkstoffe von verabreichten Medikamenten binden und unwirksam machen kann. Durch die Magensäure werden ja Mineralien und Spurenelemente herausgelöst und bei Gabe von Heilerde müsste man die Rationen dementsprechend anpassen.  Es liegen aber keine wissenschaftlichen Studien über die positive Wirkung vor.

Kieselerde:
In der Plusminus Sendung ARD stellte man fest dass die meisten Präparate aus gemahlenem Quarzsand und eine positive Wirkung für den Organismus ist wissenschaftlich nicht bekannt. Dagegen können sich langfristig gegeben und hochdosiert zur Bildung von siliziumhaltiger Nierensteinen führen.

Knochenmehl:
Wird sinnvollerweise mit verfüttert wenn keine Knochen gefüttert werden und ist Lieferant für Calcium und Phosphor. Problem ist, dass leicht eine Über oder Unterdosierung möglich ist.
Bei Überdosierung kann es zu Blasensteinen kommen bei Unterversorgung zu Skelettschäden.

Kräuter
Gegeben werden frische und auch getrocknete z.B. zur Blutreinigung oder Entschlackung. Viele Mittel sind dazu auf dem Markt eine Wirkung wurde keine nachgewiesen.
Gezielter Einsatz ist aber besser, z.B. Mariendistelextrakte bei Lebergeschichten.
Kräuter können auch Wirkungen haben die keiner so wirklich will also bitte mit Verstand benutzen.

Lebertran
Öl aus der Leber von Kabeljau, Haien und Schellfisch( bedenklich bei der Überfischung der Meere)
Da es viel Omega3 Fettsäuren enthält, Vitamin A und D und auch Jod, P, Vit E.
Es kann schnell zu Hypervitaminosen führen und wenn, dann darf keine Leber oder Vitamin/MIneralgaben zusätzlich erfolgen, also vorsichtig verwenden.

Weizenkleie
nicht bei Glutenallergie
hat einen hohen Phosphorgehalt und verändert so das CA : Phosphorverhältnis
Enthält Phytin was Ca, Mg, Fe, Zn im Magen und Darm und kann zu Mangel führen.

Daraus ergibt sich für mich, kleine Ursache aber große Wirkung, die nicht immer gewünscht ist und daher mit Vorsicht zu nutzen, bzw. manche  total nutzlos und nur für den Hersteller positiv.


Schauen wir uns einmal kritisch die BARF Fütterung an.
Da fällt als erster Punkt auf, es wurde der Wolfnahrung abgeschaut, aber wir haben keine Wölfe mehr bei uns. In der Evolution des Hundes hat er sich an die menschliche stärkereichere Nahrung angepasst und der Hund hat 10 Gene mehr als der Wolf für die Stärkeverdauung. Vergessen darf man auch nicht, dass viele Beutetiere des Wolfes Nagetiere (=Granivore) sind, die bevorzugt von Grassamen leben.
Durch die Umstellung des Hundes kann es bei reiner Fleischfütterung zu einer Unterversorgung an Kohlenhydraten kommen, dadurch ist Hyperinsulismus möglich.

Auch von der Lebenserwartung ist der Wolf nur bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von < 7 Jahren. Wölfe leiden in der freien Natur an Nährstoffmangel und können daran verhungern.
Wölfe fressen das komplette Beutetier (große Beutetiere ohne Mageninhalt) und wir geben bei BARF nur einige Innereien, Fleisch, Knochen und Gemüse (welches der Hund sich nicht wirklich erschließen kann und auch kleingeschnitten nicht mit dem Darminhalt der Beutetiere des Wolfes gleichzusetzen ist)

Bei der Knochenfütterung treten oft  Probleme auf, ObstipationKnochenkot welche meist zur Op der Hunde führen, ebenso Verletzungen durch die Knochen und nicht zuletzt eine Über oder Unterversorgung mit Ca was dann zu Skelettproblemen besonders bei Welpen führen kann.

Effenberger hat 2008 festgestellt, dass es zu häufigeren Durchfallerkranungen bei gebarften Hunden kam als z.B. bei Gaben von gekochten Produkten.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Hygiene  und die damit verbundenen Zoonosen. Erreger wie Salmonellen(Hunde erkranken nur subklinisch, d.h. sie sind Ausscheider), E. coli/STEC, Campylobacter, Dhingellen, Yersinien, Clostridium batulinum, Mykrobakterien(TBC), Listerien, Staphylococcus aurenus, Aujeszkyvirus( Schweinefleisch/Wildschwein und Katzenkot), Toxoplasma gondii, Neosphora caninum, Sarkosporidien und auch Würmer können sich in rohem Fleisch viel besser halten. Z.B. wurde in einer Studie festgestellt, dass 30% aller gebarften Hunde Salmonellenausscheider sind. Wendel et al. hat 2012 eine extrem hohe Keimbelastung am Barffleisch festgestellt dabei waren 14 von 15 untersuchten Proben belastet. Daraus ergibt sich auch dass bei der Aufbewahrung von BARF Fleisch der Kontakt mit Lebensmittelfleisch vermieden werden muss.

Überprüft man die Rationen von verschiedenen Hundebesitzern, dabei ist egal ob sie ihre Rezepte aus dem Internet, industriell hergestelltes BARF nahmen oder aber andere Quellen als Hintergrund ihrer BARF Fütterung nannten. So weisen fast alle eine Über bzw. Unterversorgung an verschiedenen Nährstoffen insbesondere an Ca und Vitamin A, D E, Kupfer, Zink und Jod auf.
Genauer betrachtet stellt Dr. Natalie Dillitzer, (Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik) 2011 fest dass ca. 10% weniger als 25% des Calciumbedarfes aufwiesen, 50% zeigten eine Unterversorgung mit Jod, 60% zeigten enorme Schwankungen in den Zusammenstellungen nur ca. 40%  waren mehr oder weniger bearfsdeckend.


In der Über oder auch Unterversorgung liegt aber eine große Gefahr für das Tier.
Beispiel Calcium
Bei Junghunden kann durch eine Zufuhr von Ca >250% des Bedarfes  zu enormen Skelettschäden führen. Nicht zu vergessen, dass meist das Ca:P Verhältnis nicht stimmt und wieder für Skelettschäden verantwortlich ist. (optimal wäre 1,3 zu 1,5)
Außerdem führt eine Überversorgung von Ca zu einer Alkalisierung des Urins welcher denn zu Harngries, Blasensteinen (CA. Oxalate und Struvit) führt, hier sind die Rüden empfindlicher als die Hündinnen.

Gefahr bei Schlundfleisch ist eine Überversorgung an Hormonen, meist wird die Schilddrüse nicht entfernt und führt dann zu einer enormen Thyroxinzufur welche dann wieder zu einem sehr aufgeregten Hund führen kann. der Hund lebt sozusagen schneller und bekommt oft Herzprobleme. (Hyperthyreose)
Bekommt der Hund zu viel an Vitamin A führt auch dies zu Skelettschäden.
Ein Punkt, der mich auch sehr nachdenklich macht ist das in rohem Fleisch oft Antibiotika resistente Bakterien u finden sind, diese werden auf den Hund übertragen. Dadurch kommt es zu Resistenzbildung wodurch dann auch beim Hund Antibiotika nicht mehr wirksam sein können. Dazu kommt noch die evtl. Übertragung auf fleischliefernde Haustiere die durch abkotende Hunde auf den Weiden kommen.

Roher Fisch kann Thiaminase übertragen was zu Störungen des zentralen Nervensystems führen kann.

Bei kranken Tieren ist BARF auch nicht immer geeignet. Aufgrund der hohen Proteinzufur und des hohen Bindegewegeanteils ist BARF oft schwerer verdaulich.
Hunde die an
Lebererkrankungen
Nierenerkrankungen
Blasensteinen
Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
Durchfallerkrankungen die nicht allergischen Ursprungs sind
leiden sollten nicht gebarft werden, bzw. von Spezialisten eine Aufstellung der Futterzusammensetzung bekommen und auf keinen Fall Fertigbarf verwenden.

Der hohe Proteingehalt in der Futterration hat keine negativen Folgen auf das Wachstum bzw. auf die ges. Gesundheit des Welpen. Aber bei minderwertigem Protein aus z.B. Innereien steigert sich das Durchfallrisiko enorm. Beim Menschen wurde bei einer hohen Proteinzufuhr aus Fleisch festgestellt, dass die Tumorerkrankungen enorm gesteigert wurden, ob das beim Hund ebenso ist wurde noch nicht untersucht sollte aber angedacht werden da ca. 25% aller Hunde heute schon an Krebs sterben.


Zusammenfassend sollte man bedenken:
BARF sollte nur nach Rationsberechnung gegeben werden dass eine Unter- bzw. Überversorgung an Nährstoffen ausgeschlossen werden kann
Gerade bei Welpen sollte mind alle 2-3 Monate das CA:P Verhältnis dem Bedarf angepasst werden
Knochenfütterung nur bei Hunden, die es vertragen
Hygiene. Besonders bei anfälligen Menschen wie alte, junge, kranke und schwangere Menschen.

Insgesamt kann man mit gekochten Rationen den gleichen Effekt erzielen als mit den Rohen hat aber die Risiken der Belastungen bei rohem Fleisch nicht.
Gewolftes BARF disqualifiziert sich selber, da hier alle Vorteile vom BARF an sich wegfallen. Ähnlich sieht es beim FertigBARF aus. Nur weil viele Halter von Hunden sich nach anderen Methoden umgesehen haben ist die Futtermittelindustrie darauf eingegangen und produziert auch hier wieder sehr viel mit einer enormen Gewinnsumme. Wenn BARF dann bitte selber herstellen, am Besten in Zusammenarbeit mit Fachleuten, die die täglichen Rationen auf das jeweilige Tier berechnen.

Für uns und unsere Zucht im Alltag heißt das, wir werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf BARF umstellen sondern bei der Mischfütterung bleiben.
Gerade auch in Zeiten von Trächtigkeit, bei säugenden Hündinnen, Welpen und Junghunden gestaltet sich die richtige Zusammenstellung noch schwieriger und die Gefahr der falschen Zusammenstellung ist mir viel zu hoch da die Folgen auch sehr hoch sein können. Fütterung am Bedarf des Hundes vorbei führt meist nicht sofort zu Auffälligkeiten und Erkrankungen aber längerfristig kann es sich massiv auf die Hundegesundheit auswirken.

Was mich persönlich stutzig macht zum Thema BARF, dass es von einer Dame in Deutschland kreiert wurde, die einen Verlag gegründet hat, eine vielbesuchte HP hat und aber sonst über ihre Qualifikation zum Thema nicht viel bekannt ist. Aber sie hat den Begriff biologisch artgerecht geschaffen der sehr werbewirksam vermarktet wird. Tiermediziener sind nach wie vor eher kritisch eingestellt weil die Gefahren wohl aus deren Sicht die Nutzen überlagern( bes. die möglichen Ernährungsfehler und ihre Folgen) Und noch ein weiterer Punkt kommt von einigen einst so euphorischen Barfern dazu, die mittlerweile davor warnen, weil ihre Tiere aufgrund von BARF erkrankt sind da es eben nicht genau am Bedarf ihrer Tiere orientiert war und sie nun mit den Folgen zu kämpfen haben.
Dazu kommen noch meine Erfahrungen der Haltung und Ernährung anderer Tierarten, die auch immer und immer wieder in solchen Wellenbewegungen sich befindet und dogmatisierend mal das eine und dann wieder das andere für das NONPLUSULTRA hält. Bleiben wir doch geerdet, denken mit und schauen gespannt weiter, welche Entwicklungen und Auswüchse das Thema Ernährung in den kommenden Jahren noch treiben wird.
Einen besonderen Dank möchte ich Frau Dr.med.vet. Petra Kölle aussprechen, die mir mit ihren Ausführungen sehr geholfen und auch auf meinem bisher eingeschlagenen Fütterungsweg bestärkt hat.

weitereführende LInks zum Thema:
BARF Fehler
Risiken beim BARF
Pro und Contra BARF
Das ABAM Konzept
Seiten die BARF unreflektiert in den Himmel halten findet man selber genug. Einfach mal BARF in die Suchmaschinen eingeben.


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